Das Deusmauerer Moor

Deusmauerer MoorIn den Tälern der Weißen und Schwarzen Laaber, östlich von Neumarkt, werden die allgemein nach Südosten einfallenden Juraschichten so tief angeschnitten, dass der Eisensandstein des Braunjuras nochmals zu Tage tritt. In die Sandsteinwände wurden von den Bauern in der Gegend von Deining bzw. Dietkirchen, Deusmauer und Lengenfeld Keller geschlagen. Diese Formation ist vom darüberliegenden Kalkgestein des Weißjuras wie auch vom tiefer liegenden Schwarzjura durch eine Lehmschicht getrennt, die als Wasserstauer tätig wird.

Ein ausgedehnter Quellhorizont hat sich im Tal der Weißen Laaber oberhalb der Sippelmühle gebildet. An der Schwarzen Laaber liegen die aus dem sog. Ornatenton entspringenden Quellen wenige Meter über dem heutigen Talgrund. Aus 10 m Tiefe dringen dazu im Gebiet des Deusmauer-Moores Druckquellen an die Oberfläche, deren Wasser vom darunterliegenden Opalinuston aufgestaut wird. Infolge dieser geologischen Sondersituation tritt an den Oberläufen der Schwarzen und Weißen Laaber reichlich Wasser zutage, sodass hier Versumpfungen und Vermoorungen stattfinden konnten. Die Torfablagerungen erreichen bis zu 10 m Mächtigkeit. Das einzige nennenswerte Moorgebiet im gesamten Fränkisch-Oberpfälzischen Jura findet sich hier.

Die beiden Flußtäler werden in klaren Nächten zu regelrechten Kaltluftseen, wobei die Temperatur im Talgrund erheblich unter den auf der Hochfläche beobachteten Werten liegt. Fröste können das ganze Jahr über auftreten. In der Talvegetation behaupten sich so Pflanzen, die in Kaltzeiten bei uns allgemein verbreitet waren, im Laufe der nacheiszeitlichen Erwärmung sich aber nach Nordeuropa zurückziehen mußten.

Im Bett der Schwarzen Laaber fluten neben Laichkräutern und lgelkolben die großen, wachsüberzogenen Blätter und die gelben Blüten der Teichrose. Am Ufer stehen Beinwell, Geflügelte Braunwurz und Rohrglanzgras. Quellige Stellen sind von horstbildenden Großseggen besetzt. Oberhalb Deusmauer findet sich auf seekreidereichem Torf ein etwa 1 ha großer Bestand der Schneide. Sie gehört einem tropischen Verwandtschaftskreis an und konnte sich an dieser Stelle als wärmezeitliches Relikt halten.

Die wissenschaftlich wertvollsten, aber leider immer stärker zurücktretenden Bestände im Deusmauer-Moor sind die Kleinseggenrasen. Auf kalkhaltigem Torf finden wir z. B. das breitblättrige Wollgras, die kontinentale Form der Kriechweide, den Bunten Schachtelhalm und mehrere Orchideen wie Sumpfwurz, fleischfarbenes Knabenkraut und Glanzstengel. Auf weniger kalkreichem aber stark mineralhaltigem Torf wachsen wiesenähnliche Bestände, in denen das Blutauge, der Fieberklee, das schlanke und schmalblättrige Wollgras sowie die Fadenwurzelsegge zu finden sind. Der umsichtige Besucher kann hier auch die seltenste Pflanze des Deusmauer-Moores erspähen, die Dickblättrige Sternmiere (Stellaria crassifolia). Dieses unscheinbare Nelkengewächs gilt als Glazialrelikt und wurde hier 1964 zum ersten Mal in Bayern gefunden; bei Deusmauer liegt der einzige in Süddeutschland bekannte Standort dieser arktischen Sumpfpflanze.

Der größte Teil des Deusmauer-Moores wäre ohne menschliches Eingreifen zweifellos von Schwarzerlenwäldern bedeckt. An den nässeren Stellen hat sich ein interessanter Erlenbruch entwickelt, der pflanzengeographisch osteuropäischen Beständen zuzuordnen ist. Im fast ganzjährig austretenden Grundwasser stehen die schlanken Horste der Rasensegge neben den zerbrechlichen Wedeln des Sumpffarnes. Auf den Bulten wächst der kontinental verbreitete Kammfarn und das Sumpfreitgras. An tief morastigen, nicht betretbaren Stellen hat sich im Schutze des Erlenwaldes eine Pflanzengesellschaft mit Sumpfcalla, Wasserschierling, Zypergrassegge und Zungenhahnenfuß breitgemacht. In der Strauchschicht beobachten wir neben dem Faulbaum das natürliche Vorkommen der Schwarzen Johannisbeere. Die Erle bildet allein die Baumschicht. Sie wird wegen der Ungunst des nassen Standortes nur wenige Meter hoch, bildet schwache Stämme und stirbt bald ab. Kräftige hochstämmige Exemplare kann sie dagegen im trockeneren Auwald bilden. Brennessel und Schilf erschweren im Sommer das Durchwandern solcher Bestände. An den Stämmen rankt sich der wilde Hopfen hoch. Im Frühjahr finden wir im Untergrund Seidelbast, Märzenbecher, Milz- und Scharbockskraut in Blüte.

An vielen Stellen wurde der Erlenwald gerodet. Auf dem nährstoffreichen Grund hat sich eine Hochstaudengesellschaft eingefunden. Offizineller Baldrian, Eisenhut, Mädesüß und Sumpfstorchschnabel sind dafür charakteristisch. Der Florist kann sich hier über das stärkste Auftreten der nordischen Himmelsleiter im gesamten Süddeutschen Raum freuen. Am Rande des Moores wurden von den Bauern Wiesen angelegt, in denen Kohldistel, Waldengelswurz und Sumpfdotterblume den Aspekt bestimmen.

Wie viele andere naturnahe Reste in unserer Landschaft ist auch das Deusmauer-Moor in seiner Existenz bedroht. Absenkung des Grundwassers beim Bau des Autobahndammes sowie für forstliche Zwecke ließ die waldfreien Klein- und Großseggenriede in den letzten Jahren auf Reste schrumpfen. Bauvorhaben und Kultivierungsmaßnahmen engen die verbleibende Fläche immer mehr ein. Die Bevölkerung im Landkreis sollte die Einmaligkeit dieses Stücks Heimat erkennen und für seine Rettung und Erhaltung eintreten.

Text aus dem Buch Juralandkreis Neumarkt i. d. Oberpfalz V. Dr. German Roßkopf